Nachhaltiges Reisen - nur wie und wohin?

Das Thema bei "Blogger denken nach" für den Juni könnte passender nicht sein und von Anfang an war ich auf diesen Monat gespannt. Man kann den Urlaub schon förmlich in der Luft spüren, jeder und jede sucht sich neue Reiseziele, schreibt Reisetraumwunschlisten (da fällt mir ein, dass ich meine schon vor Monaten mal hier zeigen wollte- das sollte ich diesen Monat schleunigst nachholen) und was passt da besser, als sich einmal Gedanken über das Reisen in Form von nachhaltig - nur wie und wohin? zu machen?



Wir alle lieben es. Das Reisen. Das Planen einer Reise und die Reise an sich. Die Abenteuer, die Begegnungen, die wir auf Reisen machen und die Eindrücke, die wir auf Reisen erleben. Mit dem Reisen und vor allem den reisen in ferne Länder, kommt automatisch auch ein bestimmtes Thema auf: das der Nachhaltigkeit. Nachhaltigkeit auf Reisen? Geht das überhaupt? Und wenn ja, wie?

Das erste, das uns da in den Sinn kommt, ist der Umweltschutz. Besonders bei Langstreckenflügen ist der ökologische Fußabdruck, den wir hinterlassen, enorm. Möchten wir aber nach Südamerika oder Afrika bleibt uns nichts anderes übrig, als einen Langstreckenflug zu buchen. Der Umweltschutz ist damit also schon fast dahin, aber er ist eben auch nur ein kleiner Teil dessen, was Nachhaltigkeit auf Reisen betrifft.

Die Sache mit der Nachhaltigkeit


Laut der Definition von den United Nation gehören zum nachhaltigen Reisen auch die Punkte Ökologie, Sozio-Kulturelles und Ökonomie. Wir sollten uns auf unseren Reisen also die Frage stellen, ob die Natur und die Ressourcen des Landes, in das uns die Reise führt, für künftige Generationen erhalten bleiben und ob Einheimische froh sind über den Tourismus und auf ihre Kultur Rücksicht genommen wird. Die letzte Frage, die wir uns stellen sollten, ist, ob der Tourismus wirtschaftliche Vorteile für die Menschen hat und die touristischen Entwicklungen für das Land positiv sind.

Sind all diese Punkte gegeben, können wir von nachhaltigem Reisen sprechen. Was Fernreisen betrifft ist es wegen des Anflugs also wirklich fast unmöglich, zumindest was den Umweltschutz betrifft. Was wir aber machen können: Im Urlaubsland unseren Fußabdruck so klein wie möglich halten.

Wie das geht?


Wie man die drei Säulen der Nachhaltigkeit, also Ökologie, Sozio-Kulturelles und Ökonomie umsetzt, sodass unser Fußabdruck so klein wie möglich bleibt, muss jeder und jede für sich selbst entscheiden. Am Besten ist aber immer, sich an den Menschen, die im Reiseland leben, zu orientieren und vieles eben so zu machen, wie sie selbst es auch machen. Das heisst auch, auf der Reise statt im Hotel zu übernachten zum Beispiel Couchsurfing zu machen, in den sogenannten Chop Bars an der Straße zu essen oder in den Restaurants, in die die Einheimischen gehen und möglichst öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen oder zumindest sharing Taxis, wenn es schon ein Taxi sein muss.

Wir alle wollen ferne- und auch nahe- Länder erkunden, möglichst unberührte Natur sehen und ursprüngliche Kulturen kennen lernen. Wir leben in einer Zeit, in der wir die Möglichkeit dazu haben, all die Länder und Orte zu sehen, die wir möchten. Damit aber auch unsere Kinder und deren Kinder die Möglichkeit dazu haben, sollten wir uns für unsere Reisen immer vornehmen, möglichst nachhaltig zu reisen, uns an die Gegebenheiten im Reiseland anzupassen und uns so zu verhalten, wie wir es auch von anderen Menschen erwarten würden. Oft ist es auch so, dass gerade beim Thema des nachhaltigen Reisens der erhobene Zeigefinger ganz schnell ins Spiel kommt, denn es ist immer einfacher, andere für ihr Verhalten zu kritisieren, als zuerst einmal bei sich selbst anzufangen und zu schauen, was man selbst in Sachen Ökologie, Sozio-Kultur und Ökonomie auf unserer Reise besser machen können.

Der Tourist zerstört, was er sucht, indem er es findet. Das sagte schon Hans Magnus Enzensberger. Wir alle hinterlassen Spuren. Sei es beim Ski fahren auf vielleicht gerade neu angelegten Pisten oder auf alten, auf Straßen, die extra gebaut wurden, um die Sehenswürdigkeit X besser erreichbar zu machen oder eben beim Bergsteigen, genau so wie bei einem Urlaub in zum Beispiel Chile oder Namibia. Ja, wir hinterlassen Spuren. Spuren, die weder für die Natur noch für die Tiere des Reiselandes wirklich gut sind- je nachdem, wie wir reisen. Trotzdem können wir dafür sorgen, dass diese Spuren zumindest teilweise sozial gerecht, ökologisch tragfähig, kulturell angepasst und für die Bevölkerung wirtschaftlich sinnvoll ist.

nachhaltig-reisen-tipps

5 Tipps


1. Auch ich versuche, möglichst nachhaltig zu reisen. Dass das nicht immer so klappt, wie ich es gerne hätte, ist klar. Dennoch versuche ich es zumindest im Kleinen. Für mich heisst das dann im Reiseland mit öffentlichen Verkehrsmitteln von A nach B zu fahren, statt mit einem teuren Taxi durch die Stadt zu fahren. Genau so gut kann ich es wie die Menschen vor Ort machen und mir einen Kleinbus oder ein anderes öffentliches Verkehrsmittel (je nach Land variieren diese ja) mit fünfzehn anderen Menschen teilen.

2. Neben der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel spielt es auch eine Rolle, wie ich in dem Land lebe und wohne.  Bei meinen Reisen nach Ghana lebe ich bei meinem Verlobten bzw. meiner ghanaischen Familie. Ich wohne also so, wie die Ghanaer auch. Auch wenn du keine Freunde oder Familie im Reiseland hast, bei denen du wohnen kannst, kannst du in diesem Punkt nachhaltig reisen, indem du zum Beispiel couchsurfst oder House sitting machst. Beides ist wesentlich nachhaltiger, als in einem Hotel zu wohnen, das aus ökologische und ökonomischer Sicht so geführt wird, dass möglichst viel Profit gemacht wird.

3. Ein weiterer Punkt, der in Sachen Nachhaltigkeit auf Reisen eine wichtige Rolle spielt, ist die Nutzung von Wasser. Gerade in exotischen Ländern ist Wasser eine mehr als knappe Ressource und auf unserer Reise heisst das, dass wir darauf achten sollten, so wenig Wasser wie möglich zu verbrauchen. Das soll jetzt natürlich nicht heissen, dass aufs Duschen, Wäsche waschen und so weiter verzichtet werden muss. Du solltest nur nicht unnötig Wasser verbrauchen. Auch mit einer Becherdusche wird man sauber und verbraucht noch nicht einmal halb so viel wie bei einer Dusche in Deutschland.

4. Was die Verpflegung auf Reisen betrifft gibt es (fast) nichts besseres, als landestypische Gerichte in den Strassen-Garküchen zu probieren. Solche Gerichte schmecken, ein Besuch in einer dieser Chop Bars trägt zum interkulturellen Austausch bei und fördert die Nachhaltigkeit.

5. Last but not least geht es beim nachhaltigen Reisen immer auch um die eigenen Verhaltensweisen. Begegnungen mit anderen Menschen sollten immer auf gegenseitigem Verständnis und auf Augenhöhe stattfinden. Das eigene Verhalten wirkt sich immer auch auf die Mitmenschen aus und je mehr du über das Land, über seine Kultur und das Leben dort weißt, umso mehr kommst du ins Gespräch und vermeidest eine ungleiche Beziehung zwischen dir, also dem Besucher, und deinen Gesprächspartnern, der Bevölkerung.

Natürlich gibt es noch etliches mehr an Tipps, aber das hier sind die fünf, mit denen du schon mal einen guten Anfang in Sachen nachhaltiges Reisen machen kannst. 

Nun interessiert mich deine Meinung. Was hälst du von nachhaltigem Reisen? Ist es dir wichtig oder spielt das für dich keine große Rolle? Dir gefällt der Artikel? Dann teile ihn mit deinen Freunden und lasse mir gerne auch auf Facebook ein Like dafür da. Ich würde mich freuen!

Kommentare

  1. Man könnte, wenn man einen Flug bucht, auch eine CO2 Gebühr bezahlen.
    Das finde ich sinnvoller als "mit den öffentlichen Verkehrsmitteln" zu fahren. Denn in Städten wie NYC macht man das sowieso automatisch, da man sich eine Taxifahrt so oft gar nicht leisten kann.

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    1. Richtig, wenn man einen Flug bucht ist es auch eine Idee, eine CO2 Gebühr zu zahlen. Das mit den Öffis bezieht sich auf das reisen im Land an sich, denn da lässt es sich ja auch auf Inlandsflüge verzichten. Um aber in das Zielland zukommen, ist die Buchung eines Fluges ja meist unabdingbar- zumindest wenn das Ziel auf einem anderen Kontinent liegt.

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  2. AirBnB wäre da auch noch eine tolle Alternative - die Wohnungen haben die Gastgeber ja auch ohne hin. In Sachen Wassersparen würde ich mal sagen - Nachhaltigkeit beim Reisen hin oder her - dass es überall eine wichtige Ressource ist und man überall nicht damit verschwenderisch umgehen sollte. Womit ich allerdings nicht einher gehen kann ist, dass man nur in den kleinen Garküchen essen soll. Ich weiß echt nicht, wieviel Lebensmittelvergiftungen ich im Jahr habe,... und ich gehe nicht einmal bei solchen kleinen Büdchen essen. Die Hygienevorschriften sind in vielen Ländern so gering, dass ich da ehrlich gesagt, vorsichtig bin. Aber ansonsten finde ich das ein wirklich interessantes Thema ... irgendwo gab es doch einmal eine Seite, wo man Geld spenden konnte für das Anpflanzen neuer Bäume im Ausgleich für den CO2-Verbrauch von Flugreisen... muss ich auch nochmal suchen. :)

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    1. Hallo Stefanie,
      ja, AirBnB wäre auch eine gute Möglichkeit.
      Was das Wasser sparen angeht- klar sollte man überall auf der Welt schauen, dass man damit nicht verschwenderisch umgeht, aber eben gerade in Ländern des globalen Südens, in denen es eh nicht so viel von dieser Ressource gibt, sollte man besonders darauf achten.
      Mit den Hygienevorschriften liegst du sicher nicht falsch, aber das kann einem eben auch in den Restaurants dort passieren, denn die niedrigen Vorschriften machen ja vor den Restaurants nur bedingt Halt.
      Anbieter, bei denen man den CO2- Verbrauch kompensieren kann und dafür dann Bäume pflanzen kann gibt es etliche,eine davon wäre z.B naturefund.de

      Liebe Grüße

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  3. Sehr interessanter Beitrag. Habe deinen Blog gerade durch Thomas Blogparade "Welcher Reisetyp bist du" entdeckt und habe festgestellt, dass ich mir vor deinem Beitrag nie bis kaum Gedanken über nachhaltiges Reisen gemacht habe, aber als ich gerade deinen Beitrag las festgestellt habe, das ich unbewusst darauf geachtet habe bzw. deine Tipps größtenteils befolge! Das hatte aber weniger mit mit nachhaltigkeit zu tun, sondern einfach mit meiner Art zu reisen, so eine innere Einstellung eben, die mich dazu bringt dass ich wie die Einheimischen leben möchte, mich faszeniert das einfach und ich hasse es wenn man mich als Tourist erkennt haha :D das ist aber nicht zu vermeiden wenn man mit einer Kamera rumläuft oder eben wegen dem Aussehen oder der Sprache. Macht aber nichts! Jedenfalls möchte ich mich immer gerne anpassen um auch unangenheme Situationen zu vermeiden.

    Toller Beitrag jedenfalls! :)

    Liebe Grüße
    Jasmin von http://nimsajx.blogspot.de/

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    1. Danke dir.
      Viele Dinge machen wir meist unbewusst. Umso schöner, wenn wir sie dann auch richtig machen. Ich sehe es wie du- es ist immer besser, sich bis zu einem gewissen Grad anzupassen an die Bedingungen vor Ort. Oft hängt das wohl auch wirklich mit der eigenen Art zu reisen zusammen.
      Klar, als Tourist wird man wohl oft erkannt, gerade wenn man mit Kamera herum läuft und all die Eindrücke auf Bild bannen möchte, aber das macht ja nichts- der Nachhaltigkeit auf Reisen steht das jedenfalls nicht im Wege.

      Liebe Grüße

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